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| 29.07.2007, 10:58 Uhr | Südwestpresse Illertalbote / Marianne Schneider-Langer
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PARTEIEN / Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zu Gast in Illerrieden
Hochwasserschutz und Renaturierung, darum geht es bei den Bauarbeiten entlang der Iller. Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan informierte sich vor Ort. Doch nicht nur die Iller war Thema: Die geplante Wahlkreisreform brennt den Illertalern auf den Nägeln.
ILLERRIEDEN Bis vor einigen Wochen herrschte an der Illerbrücke zwischen Illerrieden und Vöhringen noch reger Baubetrieb, jetzt sind die Baufahrzeuge abgezogen - wegen des hohen Wasserstands. Für Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan war das am Wochenende eine gute Gelegenheit, sich über die Arbeiten an der Iller zu informieren. Auf Einladung des Illerriedener CDU-Vorsitzenden Siegfried Hutter war die Ulmer Wahlkreisabgeordnete zu dem Illerspaziergang aufgebrochen, begleitet von rund 60 Bürgern.
"Handverlesen"
Wilhelm Grotz vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium Tübingen berichtete vom Balanceakt der wasserbaulichen Maßnahmen, die einerseits den Grundwasserstand erhöhen sollen, um die Brunnen zu sichern. Andererseits müsse vermieden werden, dass die Keller in den anliegenden Neubaugebieten voll laufen. "Aus diesem Grund wurde von den bisherigen wasserbaulichen Maßnahmen, dem Bau einer Rauen Rampe, abgesehen. Die innovative Methode ist das ,offene Deckwerk und die ,V-Rampe, die es in der geplanten Form noch nirgends gibt", erklärte Grotz. Für das Offene Deckwerk wird der Illergrund mit kopfgroßen Steinen belegt, die eine weitere Erosion des Untergrundes verhindern sollen. Zuvor aber wurde die Illersohle um 20 Meter auf 65 Meter verbreitert, die Steilböschungen beseitigt und etwa 60 bis 80 Zentimeter Kies aufgebracht, um die Sohlhöhe auf den Stand des Jahres 2000 zu bringen. "Das Ergebnis wird eine Iller sein, deren Ufer begehbar sind und erlebbar sind", versprach Grotz. Nach 800 Metern mit offenen Deckwerk werde die Iller Raum zur Eigenentwicklung haben. Diese hänge stark von den Hochwassern ab: Kommen viele und große, so werde mit der Eigenentwicklung bald Schluss sein. Die V-Rampe, eine innen offene V-förmige Rampe, soll den wilden Abtrag von Gestein dämmen. "Wir hoffen, dass es noch eine Weile dauern wird, denn wir würden gerne zunächst die Mittel im oberen Teil der Iller anwenden, wo es schwere Defizite gibt", unterstrich Grotz.
Stolz präsentierte Grotz der Ministerin anschließend die bereits fertig gestellte "Raue Rampe" südlich der jetzigen Baustelle. Ein Projekt, das komplett in baden-württembergischer Hand lag. "Jeder Stein handverlesen", witzelte Grotz. Dank der Rampe führt der trocken gefallene Brunnen in Illerrieden wieder Wasser. Dafür musste aber eine ein Kilometer lange Stahl-Spundwand zum Hochwasserschutz im Illerriedener Damm gebaut werden. Über die Verbesserungen am Damm berichtete Bürgermeister Jens Kaiser. Diese kosten 900 000 bis eine Million Euro, von denen 70 Prozent als Zuschuss beantragt sind.
Während sich die Ministerin an den drei Info-Stationen aufs Zuhören beschränkt hatte, ergriff sie beim abschließenden Biergartenbesuch das Wort: Die Entscheidung für "Baden-Württemberg 21", besser bekannt unter dem Namen Stuttgart 21, gebe einer zuvor schon erfolgreichen Region einen zusätzlichen Schub.
Zunächst ein Kompliment
Beim Thema Wahlkreisreform gab es zunächst ein Kompliment an die Ministerin: "Wir wollen Sie gerne auch nach der nächsten Wahl als Bundestagsabgeordnete behalten." CDU-Vorsitzender Siegfried Hutter unterstrich, die örtliche CDU sei bereits mit zwei Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel und an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger aktiv geworden. "Wir arbeiten in Ulm, die Kinder gehen dort zur Schule, wir kaufen in Ulm ein, die Iller fließt nach Ulm. Weshalb sollten wir zum Wahlkreis Biberach gehören und dem dortigen Abgeordneten unsere Stimme geben", schimpfte Hutter.
In ihren Briefen hätten die Ortsverbände mit dem Boykott der Bundestagswahl und der Auflösung der Ortsverbände gedroht, falls die neue Wahlkreiseinteilung komme. So richtig beruhigen konnte allerdings auch die Ministerin nicht: "Natürlich freue ich mich, dass sie mich gerne als Abgeordnete behalten wollen. Aber die letztendliche Entscheidung über die Wahlkreisreform liegt beim Innenausschuss des Bundestages. Und da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." Eine solche Reform gehe jedoch niemals ohne Konflikte über die Bühne. Die Bürger im Biergarten befürchteten nach der Wahlkreis- auch eine Landkreisreform. "Am Ende haben wir dann BC als Kennzeichen. Das wäre ja das Letzte", murrte einer.
aktualisiert von Thomas Bug, 29.07.2007, 11:04 Uhr |
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